Der Schauplatz

Kiruna in Lappland, eine Ecke der Welt, die selbst viele Schweden kaum kennen. Die Winter sind düster und eisig, nachts leuchtet das Polarlicht, im Sommer geht die Sonne nie unter. Die kalte Bergbaustadt verdankt ihre Existenz einer der reichsten Eisenerzvorkommen der Welt. Schon um 1880 waren hier Minen entstanden, doch erst als die Technik ausgereift genug war, konnte das wertvolle Gestein für die Stahlherstellung genutzt und in großen Mengen abgebaut werden. 1888 wurde die erste Eisenbahnlinie für den Erztransport fertiggestellt, zwei Jahre später entstand das Bergbauunternehmen LKAB. Die börsennotierte Firma verwaltet bis heute den enormen Reichtum Kirunas und wird auch In „Denn die Gier wird dich verderben“ thematisiert:

Zum ersten Mal fließt in einen Thriller der Autorin auch eine historische Person ein: Hjalmar Lundblohm, der um 1914 die LKAB in Kiruna leitete. Er herrschte wie „ein König von Lappland“ über Kiruna und wird als einer der Gründerväter der Stadt verehrt.

Kiruna in Bildern

© www.kommun.kiruna.se

Geschichte

Ausgrabungen belegen, dass die ersten Siedler schon nach dem Rückzug des Inlandeises, also vor über 6000 Jahren, in der Gegend von Kiruna eintrafen. Damit existierten hier schon funktionierende Gemeinden, lange bevor die heutige schwedische Hauptstadt Stockholm in den Geschichtsbüchern auftauchte.

Bis ins 17. Jahrhundert setzte sich die Bevölkerung aus Samen und finnisch-sprachigen Volksgruppen zusammen, dann setzte die erste „schwedische Einwanderungswelle“ ein, die mit der erstmaligen Entdeckung von Eisenerz am Berg Kiirunavaara zusammenfiel. 1647 war die erste Mine eröffnet worden, doch ein schwedisches Gesetz, das den Export von Eisenerz untersagte, machte den Abbau wenig lukrativ.

Auch war Kiruna-Erz wegen seines hohen Anteils von Phosphor nicht für die Stahlherstellung geeignet, zudem erschwerten die extrem widrigen Transportbedingungen via Pferd oder Rentier unternehmerische Absichten.

So blieben die riesigen Vorkommen, die in dem Berg schlummerten, der Kiruna einmal seinen Namen geben sollte, lange ungenutzt.

Erst um 1880 fanden professionelle Probebohrungen am Kiirunavaara statt. Gerade war das revolutionäre Thomas-Verfahren entwickelt worden, mit dem Eisenerz von seinem Phosphorgehalt befreit und zur Herstellung von Stahl verwendet werden konnte. Die Zeit war gekommen, den unterirdischen Reichtum profitabel zu nutzen.

Die positiven Ergebnisse der Bohrungen führten zum Bau der Eisenbahnlinie, die bis heute von Luleå über Gällivare und Kiruna bis ins norwegische Narvik führt. Mit Hilfe englischer Ingenieurskunst und nach jahrelangen Diskussionen auf höchster Regierungsebene – nicht jeder war vom Erfolg des Unterfangens überzeugt – verließ der erste mit wertvollem Erz beladene Zug am 12. März 1888 Kiruna in Richtung Luleå.

Es war der Beginn einer ökonomischen Erfolgsgeschichte, in der Schweden zu einem der führenden Exporteure von Roheisen, Erz und Stahl aufstieg.

Als eigentliches Geburtsjahr Kirunas gilt das Jahr 1900, als das schwedische Königshaus den Plänen einer Stadtgründung zustimmte. Von da an stieg die Bevölkerungszahl deutlich an und schon 1910 zählte die Stadt 7500 Einwohner. Mitte der 1970er hatte Kiruna mit 31000 Einwohnern die bislang höchste Bevölkerungszahl erreicht. Heute, nach von starker Abwanderung geprägten Jahrzehnten, liegt sie bei ca. 23000.

Auf dem Reißbrett geplant

Hjalmar Lundbohm, Geologe und Vorsitzender der LKAB, gilt als Gründervater Kirunas. Der kunstinteressierte Ingenieur wollte die Stadt zu einer schwedischen Mustergemeinde machen und engagierte zu diesem Zweck Schwedens Koryphäen in Sachen Architektur und Gemeindeplanung.

Einer von ihnen war Per-Olov Hallman, der auch dafür verantwortlich war, dass sich die Planung der Stadt ganz an den klimatischen und geografischen Bedingungen der Gegend orientierte. Er passte die Straßenführung dem Landschaftsverlauf an, die einem unregelmäßigen Muster folgten, das den kalten Winden ihre Energie nehmen konnte.

Ein weiteres Standbein – Forschung und Technik

Schon 1902 begann man damit, in der Gegend um Kiruna wissenschaftliche Forschungen zu betreiben. Geologen, Klima- und Polarlichtforscher schlugen ihre Zelte auf und ebneten den Weg für eines der wichtigsten Forschungseinrichtungen unserer Zeit: die Abisko Scientific Research Station, wo sich Wissenschaftler die alpine und subalpine Vegetation und den Klimawandel erforschen.

Doch nicht nur die Erde, auch das Weltall wird von Kiruna aus observiert: 1964 wurde hier das Esrange (European Space and Sounding Rocket Range) Space Center errichtet, ein Ballon- und Raketenstartplatz für den Start von Höhenforschungsraketen. Von hier aus sollen 2013 sogar Weltraumtouristen mehrmals pro Woche zu Kurzflügen ins All starten.

 
Die Romanheldin Rebecka Martinsson

Die Autorin Åsa Larsson

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